Geschichte

Schale und Kelch - das Wappen von Bovenau

Seit den Ritterheeren des Mittelalters erfreuen sich Wappen größter Beliebtheit. Möglichst schlicht und klar sollen die bunten Wahrzeichen ihre Träger repräsentieren. Das Wappen der Gemeinde Bovenau entspricht diesen traditionellen Anforderungen in ganz besonderer Weise. Gleich dreimal wird auf die individuelle Vergangenheit Bezug genommen. Die frühgeschichtliche besiedlung, die prägende Bedeutung der Kirche und der Einfluss der fünf Güter sind die wichtigsten Hauptelemente, aus denen sich die Kommunalpolitiker 1999 für ein eigenes Wappen entschieden haben.

Am Anfang der Wappen stand die militärische Notwendigkeit des Mittelalters, für die rundum gepanzerten Ritter eindeutige und weithin sichtbare Erkennungszeichen zu schaffen, um Freund und Feind unterscheiden zu können. Daraus haben sich die heraldischen (wappenkundlichen) Grundregeln entwickelt, die nahezu unverändert auch heute noch gültig sind. Trotz des hohen Alters erfreuen sich Wappen heute immer noch größter Beliebtheit. Für Gemeinden ist das Wappen zugleich Ausdruck politischer Selbständigkeit und kommunalen Behauptungswillens.

Werden Figuren von zu vielen Gemeinden benutzt, sinkt der Erkennungswert. So haben sich Ähre und Pflug inzwischen nahezu verbraucht. In früheren Zeiten wurde den Gemeinden das Wappen vom Staatsoberhaupt persönlich und nach dessen Willen verliehen. Seit 1918 wird den Kommunen dagegen das Recht auf ein eigenes Wappen im Rahmen ihrer Selbstverwaltung gesetzlich zugestanden. Verliehen werden die Wahrzeichen allerdings nicht mehr, sondern nur noch genehmigt. Die Einzelheiten regelt in Schleswig-Holstein der sogenannte Hoheitszeichenerlass des Innenministeriums, das für die Genehmigung zuständig ist und auch das Wappen der Gemeinde Bovenau genehmigte.

Die im oberen Teil dargestellte weitmündige, innen und außen verzierte Schale, ist im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum in Schleswig zu besichtigen. Sie stammt aus der frühen Bronzezeit und wurde 1949 bei Ausgrabungen in einem Großsteingrab auf dem Hof Neuland entdeckt. Das Alter wird auf ungefähr 1500 Jahre vor Christi Geburt datiert. Sie ist ein Beleg dafür, dass Bovenau schon früh ein beliebter Siedlungsplatz war und hier Menschen lebten, lange bevor die ersten Urkunden davon ein schriftliches Zeugnis geben

Auch der im Wappen abgebildete Kelch existiert noch in der Gegenwart und wird bei den Abendmahlsfeiern der Kirche benutzt. Es ist der älteste Kelch im Silberschatz der Kirchengemeinde und stammt aus dem Jahre 1630. Ver­goldet, mit rundem Fuß, gotischem Knauf und einem Kruzifix besticht er vor allen Dingen durch seine klare schlichte Form. Benedict und Christina von Alefeld auf Gut Osterrade haben ihn der Kirche vermacht. Mit dem Kelch wird außerdem Bovenaus Bedeutung als Kirchspieldorf unterstrichen. Zum Kirchspiel gehören neben Bovenau auch Bredenbek und Krummwisch.

Ausgesprochen selten ist die schräglinke Teilung des Wappens in einen Schnitt mit fünf Doppelstufen. Damit wird auf die Lage der fünf Güter in der Gemeinde angespielt. Zudem gibt es ein historisches Vorbild für den Stufengiebelschnitt. Er findet sich bereits 1366 in einem Siegel des Sigfridus Dosenrode, dem damaligen Gutsherrn auf Oster­rade.

Die Zweiteilung des Wappens folgt nicht nur der Forderung nach klarer optischer Erkennbarkeit, sondern nimmt auch ein Stück Gemeindegeschichte auf. Die beiden Felder stehen für die Ortsteile Ehlersdorf und Bovenau, die im Zuge der Reform der Gutzbezirke 1928 zur heutigen Gemeinde Bovenau zusammengelegt wurden. Die Farben Weiß (Silber), Rot und Blau entsprechen außerdem den Landesfarben Schleswig-Holsteins.

Verwendung findet das Wappen nicht nur bei der Gemeinde als leicht erkennbares Hoheitszeichen sowie im Dienstsiegel. Auch die Bürger selbst können sich mit dem Symbol identifizieren und benutzen es zu verschiedenen Anlässen. Darüber hinaus gibt es auch eine offizielle Gemeindeflagge, die aus dem Wappen entwickelt wurde. In der heraldischen Fachsprache wird das so umschrieben: Die Flagge zeigt das Wappen wird in flaggengerechter Tinktur.